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reto boller

Hochschule der Medien, Stuttgart - 
kunst am bau 

the sounds of earth

Reto Boller & Guido Vorburger
„The Sounds of Earth“ 2014 Hochschule der Medien, Stuttgart, Neubau Süd
Kunst am Bau.
Beton, Messing, ø 8 m, Höhe: 20 cm

„Sounds of Earth“ – die erste Arbeit mit Beton. Boller beschäftigt sich seit den 90er Jahren mit der plastischen Wirkung von Farbe im Raum, mit Lack- und Klebefolien, Silikonen, Aluminium und anderen industriellen Materialien. Sie werden als Objekte im Raum konkretisiert, bekannte Dinge mit fremden Material-Konfrontationen umdefiniert, Torsi von Industrieteilen zusammen- gesetzt, mit Lacken und neuen Oberflächen uminterpretiert. Der „Aufsetzpunkt“ –so der Titel einer Reto BollerAusstellung von 2011– für den Betrachter zielt auf die Unschärfe: auf den Landebahnen der Flughäfen entsteht ein dunkle Fläche dort, wo die meisten Flugzeuge mit dem Fahrwerk aufsetzen. Es ist kein theoretisch gesetzter ‚Punkt’, sondern eine der Praxis geschuldete, flächige Manifestation des Realen: Gummi auf Beton, Fliegen, Rollen und Stehen. Ebenso konkret vollziehen sich die Werke Bollers, nachdem er sie in die Welt gesetzt hat. Sie fordern einen Raum, verlangen dem Betrachter einen Prozess ab ohne einen Zielpunkt vorzugeben. Zugleich wahren sie, mit Donald Judd gesprochen, „Neutralität und Redundanz“, was für die Rezipienten ebenso provozierend zwischen Zugriff und Unterlassung oszilliert, wie für den Künstler selbst. Die gemeinsam mit Vorburger realsierten Projekte sind gekennzeichnet von interaktiven Möglichkeiten bei gleichzeitig reduzierten formalen Mitteln. Bei der Vaihinger Arbeit können die Fragen nach der Haltbarkeit der Medien und dem Überdauern des Materials angesichts des Verweises ins Universum und auf die Ewigkeit zwar gestellt werden (die römischen Bauten des opus caementitium überdauern seit 2000 Jahren, die Schallplatten im All sind schon nach 40 Jahren veraltet). Das Objekt hält allerdings keine eindeutigen Antworten parat. Als architektonischer Torso, Sockel und minimal art object gibt „Sounds of Earth“ vor allem einen konkreten öffentlichen Raum für eine jeweils sich ergebende Anzahl von Mitspielern zur Benutzung frei. 

Auszug aus einem Text von Bärbel Küster

mehr zum projekt: www.retoboller.com